Gestern                    Heute                  Firmen                                 Ausstellung

 

 

 
 

1. Zur Geschichte des Turmes.


Der Fronhof

Erklärung: Ein Fronhof diente zur Ableistung von Frondiensten (Frondienste von mitteldeutsch  vron, "herrschaftlich" - bezeichnet Dienstleistungen, die die Bauern im Mittelalter ihrem Grundherren abzuleisten verpflichtet waren. In manchen Fällen konnte sie durch Geldleistung abgelöst werden. Frondienste waren als Gegenleistung für Schutz, Land und Jurisdiktion des Grundherren zu leisten und umfassten bäuerliche Tätigkeiten für eine festgelegte Zahl von Tagen auf den nicht verliehenen Feldern des Grundherren. Meist fanden sie zur  Saat-  oder Erntezeit statt und stellten dadurch ein großes Problem für die hörigen Bauern dar, die ja gerade zu diesen Zeiten auch auf ihren eigenen Feldern viel Arbeit zu bewältigen hatten. )

 

Das Grundstück Höchster Markt 3
liegt vollständig im Bereich des ehemaligen Fronhofes der Stadt Höchst, der bereits im 11. Jahrhundert bestand. Das Areal des Fronhofes erstreckte sich ursprünglich auf der gesamten Fläche zwischen Wed, Marktplatz und Rosengasse und geht in seinem Ursprung auf die ältesten Anfänge von Höchst zurück. 
 
(siehe  nebenstehendes Bild - Die Flächen 6 + 7) Um den Fronhof herum lagen weitere Hütten von Knechten und Hörigen. Das alles muß man sich sehr bescheiden und in lockerer Bauweise vorstellen.  

 

Die nördliche Grenze des Fronhofes wurde später um 1355, nachdem Höchst die Stadtrechte erhielt,  in die erste Stadtbefestigung integriert. Wie der Fronhof um 1100 oder zur Zeit der ersten Stadtmauer aussah, kann nur vermutet werden. Es liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. 
Die obenstehende  Karte zeigt die Stadt Höchst von 1850. 1355 waren nur einige der eingezeichneten Höfe, Adelshöfe und Burg vorhanden. Dazwischen standen kleinere Hütten und Häuschen.
 
 


 
Im Laufe der Geschichte wurde von dem Fronhof ein größeres Grundstück für einen Adelshof abgeteilt,

 

das Greiffenclausche Haus, welches als Renaissance-Bau 
 
Ende des 16. Jahrhunderts, vermutlich für  die Herren von Heusenstamm, später im Besitz der Herren von Greiffenclau, einem Adelsgeschlecht  aus Winkel im Rheingau errichtet wurde.  (siehe Stadtplan oben  – Die Fläche 7).

Große Teile der historischen Mauer, eine typische Art der Gestaltung einer Grundstücksgrenze zu dieser Zeit, die den Adelshof vom Fronhof trennte, sind noch erhalten und können vom Hof des Grundstückes Höchster Markt 3 betrachtet werden.



Die ältesten Teile des Hauses Höchster Markt 3 sind ein gewaltiger  Gewölbekeller, der ursprünglich als
einheitlicher Gewölbekeller unter den Häusern Höchster Markt 3 bis Höchster Markt 6 genutzt wurde.
Das Tonnengewölbe wurde stützenfrei errichtet, der historische Zugang befand sich vermutlich im heutigen Eingangsbereich im Höchster Markt 3. Das genaue Datum der Errichtung dieses Gewölbekellers ist leider nicht  bekannt, jedoch lässt die Errichtung der Stadtmauer darauf schließen, dass dieser Gewölbekeller bereits vorher bestand.
 
 
Der Zehnthof
 

Wahrscheinlich noch vor dem Bau des Greiffenclauschen Hauses ist vermutlich der Fronhof zu einem Zehnthof umgebaut worden. Der Unterschied eines Fronhofes zu einem Zehnthof besteht darin, dass auf einem Fronhof Abgaben und Steuern in Form von Arbeitsleistungen abgegolten wurden (siehe oben – hierzu wurde auch mehr Bewirtschaftungsfläche benötigt)), auf einem Zehnthof jedoch Waren, Güter und Ernteerzeugnisse als Steuerabgaben entrichtet und abgegeben wurden. Hier im Zehnthof zog der wichtigste Grundherr am Ort und spätere Landesvater, der Erzbischof von Mainz, mit seinen Kapitelsherren die Abgaben ein. Dazu benötigte man  nun nicht mehr viel Bewirtschaftungsfläche, sondern ein entsprechend großes Lagerhaus. Das Gebäude des Zehnthofes erstreckte sich vom Höchster Markt 3 bis hin zum Höchster Markt 6 und verfügte über das vorgenannten Tonnengewölbe, 2 massive Geschosse und einem gewaltigen 3-geschossigen Dachboden. In diesem Zusammenhang wurde im 16. Jahrhundert ein oktogonaler Treppenturm in Form eines „Wendelsteins“ angebaut, mit dem das erste Obergeschoß des Hauses (eventuell die Wohnräume) besser zugänglich war, als über die vermutlich engen Stiegen innerhalb des Hauses. Der historische Eingang zum Turm war relativ schmal. Er lag an der Westseite des Turms zum Hof des Zehnthofes hin. Ursprünglich führte dieser Treppenturm nur in die oberen Stockwerke des Zehnthofes, nicht jedoch in das Erdgeschoß. Im Laufe der  Jahrhunderte wurde der Turm zweimal aufgestockt. Zuletzt noch vor der gründerzeitlichen Bebauung 1893, zur Erschließung der Dachgeschosse. Die Aufstockungen des Turms lassen sich an der Struktur des Mauerwerkes vor der Instandsetzung ablesen. Erkennbar sind die einzelnen Bauphasen auch an den konstruktiven Elementen im Innern des Turmes.

 

Die Höchster Parzellanmanufaktur

Nachdem die Nutzung als Zehnthof im Laufe der Jahrhunderte nicht mehr nötig war, wird vermutet, dass vor  Einrichtung der Porzellanmanufaktur der Zehnthof wahrscheinlich als  Wohn- Lager- und Brauhaus genutzt wurde.

Da üblicherweise zu einem Brauhaus auch Fässer gehören und diese im Keller gelagert werden, muss sich  irgendwann für die Nutzer die Frage gestellt haben, wie man mit den Fässern in den Keller kommt. Dies erklärt den barocken eingeschossigen Anbau an der Südseite des Turms und die Dimension des doppelflügeligen Eingangstores. Bergmännisch wurde der alte Turm untergraben, eine Statik für diese Arbeit ließe sich heute kaum berechnen, aber der Turm steht noch sicher.

Eine gerade, einläufige Treppe führt bis zur Sohle des Gewölbekellers. Spuren der gerollten Fässer sind leider nicht mehr erkennbar, da alles in den 60-iger Jahren mit Beton überdeckt wurde.


 
 
 
Am 1. März 1746 wurde im Haus Höchster Markt 3 die Höchster Porzellanmanufaktur gegründet, die dort bis 1796  produzierte. Aus Sicherheitsgründen befanden sich die Brennöfen auf dem jetzigen Marktplatz.  Die nebenstehende historische Darstellung zeigt das Aussehen und die  Nutzung der einzelnen Gebäudeteile durch die Manufaktur. 
 
 
 
 
 
 
 
                                

		Grundrisse der Höchster Porzellanmanukfaktur  um 1750.
Im Erdgeschoß befanden sich Räume für den
Brennofen und die Brennerstube, je eine Kammer
für rohgebranntes Porzellan, Materialien und
Formen sowie ein Platz für den Schmelzofen, und die
Glasurmühle. Ebenso eine Stube für die Blaumaler,
Schreib- und Packraum sowie ein Schuppen für
die Wagen. Im Hof waren weiterhin noch ein großer
Schuppen für das Brennholz und der Pferdestall.
       Im Obergeschoß waren die Stuben der Porzellandreher,
       je eine Kammer für rohgebranntes, raues Geschirr und
       für fertiges Geschirr sowie der Schornstein
       des Brennofens. Hier war außerdem die Wohnung des
       Fabrikanten untergebracht.
 

 
 
 
 




Der Abriss des Zehnthofes
Dieses Foto vom Abriss des Hauses
im Jahr 1893 läßt die Struktur des
ehemaligen Zehnthofes letztmalig erkennen.
 

Im Erdgeschoß des Hauses Höchster
Markt 3 ist ein Teil des Mauerwerkes
zur Hofseite hin noch erhalten, ebenso
ein Teil des Ostgiebels.

 

Dies sind die letzten Reste des alten
Zehnthofes.
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

                 

Gestern                   Heute                Firmen                                    Ausstellung